Atlantis ist ein konservativer plutokratischer Feudalstaat!

Für den normalen Bürger, der sich an die Regeln hält, ist Atlantis sogar ein Rechtsstaat. Michael und Thoras hingegen passen nicht in die Regeln, deshalb bekommen sie Schwierigkeiten.

Was bedeutet diese Überschrift?

Atlantis ist konservativ. Das muß ein Staat auch sein, der 10.000 Jahre überdauert. Das heißt, alle Kräfte wehren sich gegen eine Veränderung des Status quo. Diese konservativen Kräfte reagieren natürlich auf die beiden Helden der Geschichte, da diese die personifizierte Veränderung sind. Konservativ bedeutet in diesem Fall nicht das, was wir heute in der Politik als konservativ kennen, sondern eine wirklich erstarrte und verkrustete Haltung, die sich gegen jede Art von Veränderung schon aus Prinzip wehrt.

Atlantis ist plutokratisch. Macht ist in dieser Welt an materiellen Besitz gekoppelt. So ist die Anhäufung von Reichtum die einfachste Möglichkeit, in den niederen Adel aufgenommen zu werden. Durch wirtschaftliche Verluste kann sogar dem höheren Adel wieder dieser Status verloren gehen; Angehörige der 12. und höherer Kasten müssen ein Vermögen von mindestens 2 Millionen Taler nachweisen können! Mit der Plutokratie ist eine gewisse Korruption verbunden. Diese betrifft jedoch nicht den einfachen Beamten (der würde bestraft werden), sondern die Spitze der Gesellschaft, den Adel. Für alle Gebietsherren ist der Verkauf von Rechten eine ganz legale Einnahmequelle! Selbst der Kaiser kassiert bereitwillig. Eng an den Besitz (bzw. die Verdienstmöglichkeiten) gekoppelt ist die Kaste einer Person.

Atlantis ist ein Feudalstaat. Die Führung des Reiches obliegt einem Erbadel. Die 11. Kaste, der niedrige Adel, hat mit der Führung noch nichts zu tun. Erst mit dem Eintrag in die Adelsrolle durch den Aufstieg in die 12. Kaste gehört eine Familie dem eigentlichen Adel an. Über den Aufstieg einer Familie entscheidet einzig und allein die Position auf der Adelsrolle! Die älteste Familie laut Adelsrolle stellt den Kaiser, die zweitälteste den Großfürsten, die nächsten acht die Herzöge der Reichslande. Ihnen folgen die 65 Fürsten und 520 Grafen, darunter die in ihrer Zahl nicht festgelegten Barone. Für den Adel gelten besondere Regeln. Wo einem Schogal Quoris für eine Straftat 20 Jahre Arbeitslager drohen, kommt ein Schogal Baron Quoris mit einer Geldstrafe und einer Verbannung davon. (Die Verbannung bedeutet eine Ausweisung aus dem bisherigen Herrschaftsgebiet und ist nicht ganz harmlos. Die Regentschaft fällt danach an den mündigen Sohn, an einen Regenten für den unmündigen Sohn oder an eine andere Familie, falls kein Erbe vorhanden ist.)

Wie erlebt die Bevölkerung diese Verhältnisse?

Auf einen Deutschen des beginnenden 21. Jahrhunderts mag das Reich von Atlantis restriktiv und beengend wirken, die Bevölkerung von Erde 2 selbst empfindet das ganz und gar nicht so. Dem einfachen Atlanter bietet das System einen festen Platz in der Wertordnung, sowie wirtschaftliche und soziale Sicherheit. Jeder hat zumindest die theoretische Möglichkeit, seinen Status im Kastensystem zu verbessern. Man nutzt alle Freiheiten, die das System bietet.

Die Verhältnisse ähneln denen in Deutschland vor dem 2. Weltkrieg, wo eine Zugfahrt über 100 km schon eine echte Reise und etwas Besonderes war. Die wirtschaftlichen Beschränkungen fallen weniger auf, da es keine Werbeindustrie gibt, die gezielt an der Bedarfsweckung arbeitet. Da sich auch die Nachbarn nicht ins Flugzeug setzen, um in den Urlaub zu fliegen, ist man selbst auch zufrieden, mit der Straßenbahn ins Freibad zu fahren.

Der Geheime Rat wird zwar als Bedrohung erlebt, aber eben nur als eine vage Möglichkeit ("Ich? Ich bin doch anständig! Mir tun die nichts!"). Da niemand die staatliche Unterdrückung als solche empfindet, gibt es auch kein revolutionäres Potential. Mit anderen Worten: Die Bevölkerung hat sich mit diesen Verhältnissen abgefunden und schätzt die Stabilität, die sie dadurch genießt.

Die einzige Unzufriedenheit ist die mit der persönlichen Lage. Jeder würde gerne in dem existierenden System ein wenig besser dastehen, als er es im Augenblick tut. So ist jeder bestrebt, in eine höhere Kaste aufzusteigen. Ist die Familie schließlich in der 12. Kaste angekommen und steht auf der Adelsrolle, zählt nur noch der eigene Besitz. Diesen kann man mehren, selbst wenn man noch so weit von einer höheren Position entfernt ist. Gerade deshalb gibt es viele Gesetze zum Schutz der Schwachen. So ist für jede Kaste ein gesetzlicher Mindestlohn vorgeschrieben - allerdings auch ein Höchstlohn, um die Kaste stabil zu halten.

Das Alltagsleben eines Atlanters unterscheidet sich weltweit nicht sonderlich. Auf dem Land lebt und arbeitet man nach dem Rhythmus der Jahreszeiten. Es gibt Dorffeste und Wirtshäuser, doch unter der Woche sinken die einfachen Leute müde ins Bett, nachdem sie abends noch ein wenig zusammen gesessen sind. Den Kontakt zur weiten Welt besorgt das Radiogerät, das in fast jedem Bauernhaus zu finden ist. Die finanziellen Mittel lassen keine großen Sprünge zu. Die fehlende Mobilität beschränkt die Freizeit-Aktivitäten auf das eigene Dorf.

In der Stadt sind die Kneipen besser besucht. Man trifft sich dort zum Reden und zum Trinken, spielt Karten oder geht einem sonstigen Zeitvertreib nach. Die verbliebene Kreativität lebt man in Vereinen aus. Auch hier begrenzen die finanziellen Mittel und die fehlende Mobilität die Aktivitäten. Auch in den Städten ist das Radio das Informationsmedium der Unterschicht. Zeitungen werden eher in der Mittel- und Oberschicht gelesen.